Mittwoch, Mai 30, 2007

Stromlose 14 Stunden


Diesmal wurden wir vorgewarnt: Am Dienstag wird es keinen Strom geben - von morgends 8 bis abends 18 Uhr. Gleichzeitig natürlich fliesst auch kein Hahnwasser, da es mit einer elektrischen Pumpe weitergeleitet wird.
Ok.
Wenn man es weiß, dann kann man sich ja darauf vorbereiten! Vor dem Unterricht füllte ich also einige Behälter mit Wasser und verschwand zur Arbeit.
Es war ein sonniger Tag! Der Campus grün! Und die Studenten hatten viel Interesse und Spass über ihre motivationshemmenden und -fördernden Gründe im Lernprozess zu diskutieren.
Ein bischen brenzlig wurde das Unterrichtsgespräch, als es um die breite Abneigung des politischen Unterrichts ging. Dieser ist Pflicht für alle und besteht aus der Rezitation Deng Xiaopings Idee zur Sozialistischen Marktwirtschaft: seiner Vorstellung von einem Land mit zwei Systemen... Einige wenige sprachen offen ihre Zweifel und Unmut aus - was dann aber in eine komische, angespannte Athmosphäre umschlug. Die sprechenden Studenten bewegten sich auf einem schmalen Grad zwischen der Kritik an der Politik und der Kritik am politischen Unterricht an der Uni .
Plötzlich fiel mir die Existenz des Arbeitslagers nur 10 km von Qinhuangdao ein und die Konsequenzen für politische Revolutionäre...und so lenkte ich das Unterrichtsgespräch sachte auf den nächsten Kurs der nicht gemocht wird: Mathematik! Sicheres Terrain! Da kann ich sogar mitreden! Nicht wahr - Herr von Radzewski?????????? :-)

Kleine Anekdote gefällig?
Mein Vater musste, als ich in der Mittelstufe war, zum Elternsprechtag - zu besagtem Mathematiklehrer Herrn von Radzewski. Normalerweise ging ja immer meine Mutter hin, aber die hatte keine Lust mehr sich wegen meiner ständig zwischen 4 und 5 schwankenden Noten (in Mathe! nur in Mathe!!) anmeckern zu lassen.
Herr von Radzewski, dieser große bärige Mann mit winzigen Augen, dicker Brille und nach vorne gekämmten strähnigem, dünnen Haar saß nun meinem optimisitsch dreinblickenden, unvorbereitetem Vater gegenüber und sagte:
"Herr Becker! Es geht nicht darum, ob ihre Tocher eine
4 oder eine 5 im Zeugnis bekommt. Nein! Es geht darum, ob sie eine 5 oder eine 6 in Mathe bekommt! Wenn sie nur halb so viel Energie in die Mathematik stecken würde, wie sie sie in die Schülerzeitung, das Schulorchester oder ins Theater spielen steckt - würde sie auf 2 stehen!"
Tja, und dann gab es Nachhilfeunterricht von einem ostfriesischen Maschinenbaustudenten mit eisblauen Augen, der mich auf Unipartys schleppte! Danke, Herr von Radzewski! :-)

Da es keinen Strom gab, konnte ich auch nicht den ganzen Tag am Computer arbeiten, denn das Akku würde ja innerhalb 3 oder 4 Stunden leer sein. Internet funktionierte natürlich auch nicht... und so korrigierte ich die Hausaufgaben zu dem Film "Die fetten Jahre sind vorbei" und musste schmunzeln, da aus dem Film mit revolutionärem Gedankengut, ein "Liebesfilm zwischen den beiden Jungen Jan und Peter" gemacht wurde und der entführte deutsche Millionär Herr Hardenberg, erhielt den Vornamen "Ali".

Den ganzen Tag beschäftigt, fiehl mir der Strommangel kaum auf, da der Gasherd mich weiter mit Kaffee versorgen konnte - doch als es anfing zu dämmern wurde es lustig! Und da wurde auch klar, dass der Stromausfall länger dauern würde als lediglich die angesagten 10 Stunden...Wo ist der Schlüssel? Wo das Geld? Wo die Strickjacke?
Wir gingen Essen und alle Restaurants auf der Uni-strassenseiten schauten im Kerzenschein richtig romantisch aus! Es wurde mir wieder einmal bewusst, wie unheimlich kalt und ungemütlich das Neonlicht ist, was ansonsten überall die Läden erhellt und ich freute mich über den anhaltenden Stromausfall.
Bis kurz nach 10 saßen wir in der "Xinjiang-Küche" und Angelo wurde immer ärgerlicher, da er gerne geduscht hätte! Kann man nachvollziehen! Immerhin ist es ein heißer Tag gewesen...
Doch kaum waren wir alle wieder in unseren Schachtelwohnungen und ich hatte endlich das Feuerzeug gefunden mit dem ich die Kerze anzünden wollte, als - plop - alles wieder funktionierte.
Nun eine Frage an die hauswirtschaftlich gebildeten: 1 kg Hühnercurry sind natürlich innerhalb der 14 Stunden ohne Strom aufgetaut und nun wieder eingefroren. Kann ich es trotzdem irgendwann noch mal auftauen und essen?

Samstag, Mai 26, 2007

Filme

Ihr habt Pfingsten - hier ist einfach nur Wochenende.
Statt 12 Stunden an der MA zu schreiben, hab ich nach 6 Stunden aufgegeben, mich auf dem Balkon gesonnt und frisch gebrühten Lavazza Kaffee getrunken. Ach: die "3 Musketiere" hab ich mir noch angesehen - auf chinesisch ... das war lustig! Und: "luomiou" und "zhuliye" - wörtlich-spassige Übersetzungsmöglichkeit des Titels: "das europäische Honigseidengewebe und das schöne rote Blatt" - und in nomalem deutsch hieß der Film: Romeo und Julia - mit Leo :-)
Freitags lasse ich die Studenten immer einen deutschen Film sehen, über den sie dann ihre schriftliche Hausaufgabe anfertigen sollen. Gestern war es "Die fetten Jahre sind vorbei" und in der ersten Hälfte es Filmes hab ich echt Heimweh bekommen: Prenzlberg und Altbauwohnungen! Aber in gut 5 Wochen hab ich das ja auch wieder!!!!
Ich überlege noch noch einen Trip zum Emeishan vor der Abreise zu machen. Das ist einer der heiligen Berge in Sichuan, in der Nähe von Chengdu und über 3000 m hoch. Da wollte ich schon vor vier Jahren hin - doch dann kam "Sars" und die Uni verbot uns zu reisen - bzw. wäre man nach der Reise nicht mehr auf den Campus rauf gekommen. Mal sehen, ob ich es noch mache. Hängt davon ab, an welchem Datum ich genau wieder nach Berlin zurück fliege... das bekomm ich in ca. 2 Wochen mitgeteilt... und bis dahin gibt es noch ein bischen Arbeit!
Schönes langes Wochenende euch!


Montag, Mai 21, 2007

Der Ausländerlauf


Nachts um 1 Uhr klingelte der Wecker! Aufgestanden, geduscht, 2 Kaffee getrunken und los! Mit flipflapflipflap-Geräuschen ging es durch die dunklen Gassen des Hutongs hinüber zur Hauptstrasse um ein Taxi zum Treffpunkt zu nehmen. Das ich einmal im Kreis gefahren wurde und statt 15 deshalb 24 Kwai bezahlen musste vergab ich dem Fahrer lächelnd.... Es sollte ein schöner Tag werden!!!

Die wartenden, verschlafenen Läufer am Treffpunkt


Morgenstund hat Gold im Mund


Um kurz nach drei ging es in einer Bus-Karawane drei Stunden lang durch Beijing und die Provinz Hebei und endete im Huangyaguan Dorf in der Provinz Tianjin.
Es war saukalt als wir den Bus verließen, keiner scherzte, alle froren und der erste Weg führte zur Toilette... natürlich waren es keine "schönen Mc Do Toiletten" sondern 5 Verschläge auf der linken und 5 auf der rechten Seite, jeweil nur mit 1 m hohen Wänden unterteilt, so dass die wartende Meute problemlos sehen konnte wo besetzt ist und wo nicht. Gott sei Dank, waren zumindest auch Türen in gleicher Höhe vorhanden... denn es gibt ja auch die andere Sorte von öffentlichen Toiletten: nach vorne hin offen!
Meine Schamgrenze musste sogar noch ein bischen tiefer sinken, als es die Toilettensituation sowieso schon verlangte...denn ich hatte Durchfall... oh man!
Nach und nach versammelten sich die rund 1200 Läufer auf dem "Yin & Yan Square" und froren sich zusammen den Arsch ab. Ich konnte mir nicht vorstellen ohne Jacke zu rennen!!!


Die Massen-Aerobique-Viertelstunde mit zwei schreienden, einheizenden Puppen auf der Bühne half etwas...
Doch endlich gegen halb 8 wurde die erste Ecke des Platzes von den warmen Sonnenstrahlen erfasst und flucks kletterte das Thermometer in den nächsten Stunden auf über 30 Grad.
Es wurde in verschiedenen Gruppen gestartet, damit es auf der Mauer keinen Stau geben würde und um viertel vor 8 ging es auch für mich in Startgruppe 4 los.
Ich machte mir keine großen Hoffnungen auf eine gute Zeit und so ließ ich es locker angehen...
Ich trabte an einem Fluß entlang, über eine Brücke, schnappte mir eine Wasserflasche von der ersten Getränkestation und fing mit dem Aufstieg an: es ging 4,5 km einen steilen Bergpass hinauf. Abwechselnd lief und marschierte ich und merkte, dass ich nach und nach auch die Läufer aus der Startgruppe 3 und 2 überholte...
Dann kam die gefürchtete Mauer mit ihren tausenden von Stufen. Vermutlich waren es die Zwangspausen, die mir ganz gut taten um Energie für kommende km zurück zu erlangen - denn teilweise war die Mauer so schmal und brüchig, und der freie tiefe Fall zu einer Seite leicht möglich, dass überholen verboten war und teilweise nur im Gänsemarsch verschiedene Teilstücke überwunden werden konnten.
Andere Mauerabschnitte warteten wiederum mit megahohen Stufen auf, die besonders beim Abstieg die Beine erzittern ließen...
Die Landschaft war toll - soweit ich das mitbekommen habe. Ich war ja nicht zum seightseeing da!
Nachdem durch 14 Wachtürme gelaufen wurde, befand ich mich für knapp 3 km auf asphaltierter, gerader Strecke auf der ich mein Lauftempo und meinen Atem einem regelmäßigem Rythmus zukommen lassen konnte. Auch hier überholte ich langsam aber stetig einen Läufer nach dem anderen - wobei ich mir sicher war, auf den letzten Kilometern alles heimgezahlt zu bekommen!
Krass war die ca. 1 km lange Schotter-Sand-Straße die zu einem Dorf führte. Hier schien die Luft zu stehen! Wie ein Backofen! Auch kamen mir bereits einige Halbmarathonläufer auf ihrem Rückweg entgegen und ich blickte bewundernd in ihre hochroten Gesichter.

Die Dorfstrassen waren voll von verharrendem Leben: als wenn die Zeit dort stehen bleiben würde: so lange wie die Ausländer durch die gewundenen Lehmstrassen, vorbei an aufgeschreckten Hühnern, hockenden Greisen und wild rufenden Kindern vorbei spurteten.
Die haben bestimmt gedacht wir hätten sie nicht alle! Was muss das auch für ein Anblick gewesen sein! Hundere von Rotgesichtigen in hightech-Ausrüstung preschen für einige Stunden durch ein chinesisches Bergdorf, und bezahlen sogar das halbe Jahresgehaltes eines chin. Bauern dafür!!! Vermutlicherweise genau wegen dieser enormen Startgebühr waren nur super wenige Chinesen dabei (vielleicht 20? Höchstens!). Ich kam mir ganz schön dekadent vor! Was ist das? Ein Lauf ohne Einheimische??? In meinen Augen not political correct!
Nach Verlassen des Dorfes ging es wieder durch den Backofen, der nun durch den aufgewirbelten Staub noch unerträglicher schien. Allerdings wusste ich, dass das Ziel nun näher rückte und war froh festzustellen, dass ich noch Kraft hatte!
Doch: zu früh gefreut! Die Asphaltstrasse zog und zog sich und irgendwann hatte ich keinen Bock mehr zu laufen. Ich dachte "neee! Ich geh jetzt mal ein Stück! Ich kann nicht mehr! Das hört ja nie auf!" Und da es weder Schilder noch eine klatschende Menge gab, war mir nicht klar, dass ich mich bereits auf den letzten 2 km befand!
Natürlich erkannte ich irgendwann die Gegend wieder und als ich einige Läufer im Rücken spürte war mir dann sogar wieder ein kurzer Endspurt möglich.

"Katja Becker from Germany is now finishing the Great-Wall-Half-Marathon!" hörte ich den Moderator durchs Mikro brüllen, klatschende Leute rechts und links, ein überforderter Fotograf schwenkte seine Kamera von Läufer zu Läufer und ein schnaufender Typ versucht verzweifelt mir eine Medaille über den Kopf zu stülpen - was aber aus irgendwelchen Gründen nicht klappte... und
FERTIG!

Da ich nicht das Gefühl hatte 3 Stunden gelaufen zu sein, fragte ich jemanden nach der Uhrzeit und war super überrascht über die 2:20!

Euphorisch schwebend nahm ich eine lange, eiskalte Dusche in einem malerischen traditionellen chinesischen Häuschen (erst später erfuhr ich, dass es auch heißen Wasser gab...) und gesellte mich zurück zur Laufstrecke um die Marathonläufer anzufeuern, die nach bereits gelaufenen 33 km noch eine zweites Mal das anstrengende Stück auf der Mauer bezwingen mussten!!!! Die Armen!


Das Tor hinter ihr war mein Zieleinlauf - sie allerdings muss noch mal rauf auf die Mauer...

Ich genoß noch gut 4 Stunden die Bilderbuchumgebung und die Wettkampfstimmung, bevor ich mich in den Bus zurück setzte.
Obwohl ich zuerst noch heiß aufs Weggehen war, sagten mir meine immer schwerer werdenen Beine und Kopf, dass es Zeit fürs Bett ist, und so sagte ich die lockere Verabredung mit Elke ab. Allerdings wollte ich mir zur Feier des Tages doch noch etwas gutes tun und so ging ich in ein indisches Restaurant, nicht weit von meinem hostel enfernt und aß ein vorzügliches Dal mit leckerem Knoblauch-nan und zwei eiskalten, prickelnden Gin Tonic!
Faaaaaantastisch!

Sonntag, Mai 20, 2007

Done it all? - Run the wall!


Ein unerwartet gutes (vorläufiges) Halbmarathon-Ergebnis:
ich wurde 3. in meiner Altersklasse und 16. Frau von insgesamt 223 weiblichen Teilnehmern!
Ich war völlig überrascht!
Nachdem die Bestzeit der Frauen von letztem Jahr 2 Stunden und 9 Minuten betrug (- und die langsamste 6 Stunden brauchte)....dachte ich, ich schaff es auf jeden Fall in vier Stunden und wenn ich gut bin auch in drei. Die nun gelaufenen 2:20 haben mich deshalb wirklich positiv überrascht und ich schwebe noch immer :-) Es war fantastisch!
Morgen ein detaillierterer Bericht - jetzt muss ich erst mal auspacken!

Donnerstag, Mai 17, 2007

Pekingpläne

Ein kurzer post - bevor ich zum Unterricht lauf und dann in den Zug nach Beijing steige. yeaaaahhhh!
Ich freu mich schon riesig - auf den Tapetenwechsel und den Lauf am Samstag natürlich!
Morgen hole ich die Startunterlagen ab - Nummer und T-shirt und Routenbeschreibung und so und kaufe noch ein paar Bücher die ich für meine MA brauche. Mehr plane ich besser für den Tag nicht ein, sondern kuschel mich im hostel in einen der gemütlichen Sessel, beobachte das Treiben auf der Strasse im hutong und lese...
Stellt euch vor: von Freitag auf Samstag: nachts um 3 Uhr!!!!!! muss ich irgendwo in Peking an einem Hotel sein um zum Wettkampf gefahren zu werden. Nachts um 3!!!! Spätestens um halb 2 muss ich aufstehen - um mich fertig und auf den Weg zu machen! Wann soll ich dann bitte schlafen????
Nach ca. drei Stunden Busfahrt kommt man am Mauerabschnitt in der Provinz Tianjin an und der Lauf startet um halb acht. Ich stell mir vor, dass ich total müde sein werde... Ehrlich gesagt finde ich das organisatorisch nicht sooo gut gelöst... aber wir werden sehen! Sozusagen sitzten ja alle im gleichen Boot!
mach ich halt ein Mittagsschläfchen auf der Mauer, wa?!
Sonntag geht es dann zurück, weil ich Montag früh ja wieder arbeiten muss.
Schönes Wochenende euch!

Mittwoch, Mai 16, 2007

Kulinarische Woche - 7. Tag

Der letzte Tag der kulinarischen Woche!




Wenn ich in Beijing bin, gehe ich gern in einem Sichuan-Restaurant essen, welches super Gerichte zum normalen Preis anbietet. Es befindet sich auch nur 5 Minuten von dem hostel, in dem ich immer schlafe, entfernt - und natürlich werde ich auch am Wochenende wieder dort sein!
In der Mitte steht ein Topf mit scharfem Rindfleisch. Es schmeckt wirklich so so lecker! Das Fleisch ist sehr zart und scharf!
Rechts daneben steht eine Schale mit grünen, länglichen Blättern (sorry - keine Ahnung wie die auf deutsch heißen) mit einer Sesamsauce - auch: richtig toll!!!!! mmmmhhhhh da bekomm ich jetzt schon Hunger!
Und links ein Teller mit dem blumigen Namen "Ameisen klettern auf Bäume" - das sind Glasnudeln auf die eine Hackfleischmischung gekippt wird, so dass es so aussieht, als wenn Ameisen (die Hackfleischkrümel) auf Ästen (den Glasnudeln) wandern würden.
Habt ihr auch Hunger bekommen? Lust chinesisch zu essen? Dann kommt doch vorbei!!!!!! :-)


Dienstag, Mai 15, 2007

Kulinarische Woche - 6. Tag

Kennt ihr eigentlich jiaozi? Das sind die Teigtaschen oben rechts. Im Englischen fälschlicherweise "dumplings" genannt, gleichen sie eher italienischen Ravioli, russischen Pelmini oder polnischen Piroggi. Nicht wirklich der Form, wohl aber der Idee ähnelnd, könnte man sie auch mit Maultaschen vergleichen: Teigtaschen mit was drin.... Füllungvarianten gibt es unendlich viele: my favorites: Lamm mit Karotten und Rind mit Ziebeln. Ganz ekelig finde ich die Füllung bestehend aus so grünen bitteren Blättern und Ei....ne, gar nicht mein Fall! Es gibt auch welche mit saurem Kohl oder mit Mais und Schwein oder mit Tomate und Ei oder mit Rind und Weißkohl oder mit Schwein und Morcheln oder ...
Die Jiaozi isst man gekocht, gedämpft oder gebraten. Manchmal kann man wählen - manchmal bietet ein Restaurant nur eine einzige Zubereitungsart an.
Die Teigtaschen - glitschig wie sie sind, balanciert man dann zwischen den Stäbchen (uuuund: platsch landen sie in der Sauce vor einem und bespritzen das helle, frischgewaschene T-shirt ) - oder spießt sie auf ihnen auf, dippt sie in eine Mischung aus Essig, Sojasauce und Chili und : happa happa!!!!!!!!!!!!!mhhhh - sehr lecker!
Ach: und übrigens: letzten Sommer lief in den deutschen Kinos ein chinesischer Film namens: "Dumplings - Delikate Versuchung" - kann ich nur wärmstens empfehlen!!!!! Aber Achtung: nicht für zartbesaitete!




Auf dem zweiten Bild (oder auf dem 1. sich diagonal zu den Jiaozi befindend) seht ihr: Yuxiangrousi - nach Fisch duftende Fleischstreifen! Mit Meeresgetier hat das Gericht allerdings nicht viel zu tun! Es besteht aus Streifen von Schweinefleisch, Paprika, Morcheln, Karotten, Frühlingszwiebeln und normalerweise auch Knoblauchgras (fehlt hier) und schmeckt insgesamt süßlich-pikant!
Auf dem dritten Teller gibt es ein Pilzgericht (Nagelpilze) mit Schweinefleischstreifen.


Und schnell noch ein Schwenk zu in China möglichen Vorspeisen - bzw. Salatbeilagen - denn Vorspeisen im westlichen Sinne (1., 2., 3.Gang) gibt es hier nicht - bzw. ganz anders: beispielsweise wird eine Suppe eher im letzen Drittel eines Essens gereicht - und nicht als Vorspeise.
Zu einer leckeren Nudelsuppe bei "Mr. Lee - California Beef-Noodles", bestellten wir lazihuanggua - Salatgurkenschnitzer mit Chilipaste sowie einen Tofu-Karotten-Streifen-Salat. Der Tofu ist hier geräuchert und hat - wie ihr sehen könnt - eine feste, fädenförmige Erscheinung.

Montag, Mai 14, 2007

Kulinarische Woche - 5. Tag

O nein! Es ist schon der fünfte Tag der kulinarischen Woche???? Aber es gibt doch noch so unendlich viele Gerichte die ich euch zeigen möchte!!!! .... mhhh, vielleicht muss ich im Juni noch mal eine machen.
Heute:
huoguo - hotpot - Feuertopf - oder: chinesisches Fondue = klassisches Wintergericht

Es gibt viele Varianten wie man zu seinem huoguo kommt. Eine ist, dass am Eingang des Restaurants Regale voll mit Gemüse- und Fleischstäbchen stehen. Da geht man hin, packt sich seine Wahl auf ein Tablett, geht zum Tisch und wirft es nach und nach in die Brühe. Eine andere Möglichkeit ist, dass man eine Speisekarte bekommt und der Kellnerin anhand der aufgeführten Liste sagt, was man möchte. Dazu gehört auch die Wahl der Brühe: scharf oder pur oder mit Blüten oder gar zweigeteilt (finde ich am besten): die eine Hälfte des Topfes hat eine scharfe rote und die andere eine milchige Blumenbrühe.

Abgesehen von Brühe und Fondue-inhalt bestellt man auch noch eine oder mehrere Saucen zum "dippen". Oben seht ihr neben der kleinen Teeschale eine Sesamsauce.
Daneben liegen Nudeln aus Bohnengelee - und ja: auch die frischen, knackigen Salatblätter werden in den brodelnden Topf geschmissen! Übrigens befindet sich unter dem Tisch eine riesige Gaskartusche an der der Topf angeschlossen ist, so dass das Fondue weiterkocht. Regelmäßig kommt eine Kellnerin mit einem schweren Teekessel vorbei, um Wasser nachzufüllen.

Was isst man noch im Feuertopf? Die weißen Fäden, die gerade oben rechts mit den Stäbchen zum Topf balanciert werden sind "Nagelpilze", daneben sind grünliche Lauchstreifen. Dann haben wir noch Kartoffelscheiben und die weißen Würfel sind Tofu - sogenannter "Gefrorener Tofu" - natürlich ist er nicht wirklich gefroren. Heißt nur so. Auf dem Teller ganz hinten an der Ecke sind, glaube ich, Rindfleischstreifen. Und neben der Teeschale auf dem obigen Foto steht ein Dip aus Meerestieren. Auch erkennt man hier gut die kleinen Snacks, die zu dem ganzen "richtigen" Essen gereicht werden: eingelgter Knoblauch, Erdnüsse mit Tomaten-Koriander-Frühlingszwiebel...


Huoguo ist ein sehr geselliges Essen - wie bei uns so ein Käse- oder Fleischfondue ja auch ist... allerdings bin ich kein großer Fan davon (vom huoguo - nicht von der Gesellschaft). Zwei mal im Winter oder so ... reicht mir!
In diesem Restaurant wurde ein sehr leckerer Tee gereicht: damaicha. Ich habe gehört, dass es ursprünglich ein koreanischer war und ich glaube er besteht aus irgendetwas was man aus Chrysanthemen-blumen gewinnt. So braune kleine Körner. Jedenfalls ist er super lecker - und passt prima zum Schlemmeressen - da verdauungsfördernd! :-)

Sonntag, Mai 13, 2007

Kulinarische Woche - 4. Tag

(Bällchen-Tag)

"Hey - Du sollst nach Hause kommen hat deine Mama gesagt! - Es gibt Spinat!"
...Oder Schwarzwurzeln.... :-( oh Gott! Ein Kindheitstrauma!

:-) Deshalb heute - zum Muttertag - nur das Beste für die Figur einer richtigen italienischen MAMA!
Tangculiji - Fleisch süß/sauer
mmmhhhhhh
Eigentlich wollte ich mir gestern Reis mit Gemüse und ein paar getrockneten, italienischen Kräutern machen...aber an die tanculiji habe ich schon die ganzen letzten Tage gedacht - und deshalb .... und es war mal wieder super!




Nein - natürlich habe ich nicht auch noch das unten abgebildete Dessert gestern bestellt! Dafür war ich leider viel zu satt. Die gebackenen Äpfel habe ich das letzte mal mit Sandra gegessen - krass, auch schon wieder ein Monat her!




Das im Teigmantel frittierte Apfelstück, welches im Wok karamelisiert wird, muss sehr schnell gegessen werden. Je mehr es abkühlt, desto härter wird es. Wenn man nicht schnell genug war, dann hat man einen karten Karamel-klumpen-stein auf dem Teller liegen und muss die Kellnerin rufen, dass sie die Äpfel wieder aufwärmt, so dass sie sich voneinander lösen.
Um aber die heißen Früchtchen überhaupt essen zu können, dippt man sie kurz in die Schale Wasser. Dann haben sie eine etwas niedrigere Temperatur und das Karamel ist nicht mehr so heiß, dass es einem das Gaumenfleisch ablöst, wenn einem im Mund die Zähne zusammenkleben....Und: es zieht keine Fäden vom Teller zum Mund - ein toller Anblick übrigens!

Samstag, Mai 12, 2007

Kulinarische Woche - 3. Tag

ok - and here we go:
Drei Gerichte für heute (das heißt: wieviel Leute werden wahrscheinlich am Tisch gesessen haben??????:-) )



Ganz hinten auf dem Bild steht die Sättingsbeilage: rousichaobing: das ist ein in feine Streifen zerteilter Eierkuchen, der mit Weißkohl und dünnen, wenigen Schweinefleischstreifen "ange-wokt" wurde. Besonders wenn ich keinen Reis mehr sehen kann, bestell ich das Gericht gern.



Vorne seht ihr Rauten von der Staudensellerie mit Streifen vom Rindfleisch (nicht soooo ganz mein Fall....)


Und das dritte Gericht sind scharfe Sprossen. Ein paar der Chilischoten kann man ja auf dem Foto entdecken. Es schmeckt nicht schlecht - aber sooo aufregend auch wieder nicht.Dennoch: mal eine andere Zubereitung von Sprossen - auf die ich ja eigentlich auch nicht soooo stehe..

Freitag, Mai 11, 2007

Kulinarische Woche - 2. Tag



Die beiden Mädels auf dem Bild, sind die Töchter der Besitzerin in meinem Lieblingsrestaurant (Sichuan-Küche). Die Ältere der beiden sitzt neben uns, um sich an an dem Ofen zu wärmen, der - allerdings nur im Winter - mitten im Restaurant steht. Manchmal lagen dort obenauf ein zwei Süßkartoffeln oder auch ein Wasserkessel. Irgendwie romantisch - aber geholfen hat er nur, wenn man direkt dran klebt. Meistens saßen wir im Winter in den Restaurants eingemummt in unseren Winterjacken und Schals...

Darf ich vorstellen - von links nach rechts:
disanxian - und hier streiten sich die Übersetzer! Die einen übersetzen es mit "die heiligen Drei" die anderen mit "die dreifache Frische aus der Erde" - Einigkeit herrscht bei der 3 und da sind sich Übersetzer wie auch Köche stimmig! Es besteht - üblicherweise - aus Paprika, Kartoffeln und Aubergine. Bei Ausländern ist es recht beliebt und ich bilde da keine Ausnahme.
Das zweite Gericht:
goubaorou - Paniertes Schweinefleisch (hääää? Schnitzel in der chinesischen Pampa??) in der Geschmacksrichtung süß-sauer. ABER: es ist NICHT das bei euch / uns / hier bekannte "Fleisch süß-sauer" - das stelle ich euch ein ander mal vor. Dieses hier ist ohne die bekannte Sauce, aber trotzdem nicht trocken.

Donnerstag, Mai 10, 2007

Kulinarische Woche - 1. Tag

Auf vielfachen Wunsch und langer strapazierter Neugierde folgt nun, nachdem ich "akribisch" gesammelt habe - die kulinarische Woche!
Wie schon geschrieben, befinde ich mich gerade im Endspurt der MA - und somit passiert nicht viel...keine großartig neuen Impressionen aus dem Reich der Mitte (erst wieder nach dem 20. Mai, wenn ich von Beijing und dem Mauerlauf erzählen kann)
... Deshalb werde ich jetzt jeden Tag - bis nächsten Donnerstag "mein" Essen vorstellen. Fotos von Gerichten also - sozusagen: Restaurantimpressionen, die sich in den letzten Monaten angesammelt haben möchte ich euch vorstellen. Damit ihr seht was "ich war essen" bedeutet.

Generell gilt: Man bestellt (normalerweise) soviele Gerichte wie Personen am Tisch sitzen. Chinesen bestellen bei offiziellen Anlässen auch mehr - wir Ausländer bestellen - wenn überhaupt - höchsten 1 Gericht mehr als Personen am Tisch sind. Aber dann bleibt für gewöhnlich immer noch einiges Essen übrig. Die Gerichte kommen in die Mitte des Tisches, vor jeder Person steht ein kleiner Teller bzw. eine Schüssel Reis, und jeder isst aus der Mitte wonach ihm gelüstet.
Da Reis eine billige Sättigungsbeilage ist, gibt es, bei offiziellen Essen, normalerweise nur auf Nachfrage Reis . Der Gast soll sich nämlich an den teuren / guten Dingen laben und satt essen. Erst ganz zum Schluß kommen die Sattmacher wie Nudeln / Omletts / Reis.

Die ersten beide Gerichte die ich euch vorstelle sind:
jiachang doufu = Tofu nach Art des Hauses. Eines meiner Lieblingsgerichte!!!
Das sind Scheiben von (normalerweise) geräuchertem Tofu mit Gemüse (Paprika, Möhren, Morcheln, Zwiebeln) und manchmal auch mit Streifen von Schweinefleisch.




Hinter dem Tofu-gericht, seht ihr das - noch verdeckte - "Rindfleisch auf der Eisenplatte"

Das kommt ganz heiß und noch voll am brodeln zu dir an den Tisch, dann wartet man kurz, nimmt den (vorsicht heiß!) Deckel ab - et voila:


Es gibt auch Schweine- und Hühnerfleisch auf der Eisenplatte. Letzteres finde ich auch sehr lecker!! Unter dem Fleisch ist immer eine Lage von Zwiebeln, die richtig gut schmecken.

Mittwoch, Mai 09, 2007

Gute Kleinigkeiten

Heute war so ein wunderbar erfolgreicher Tag, dass ich Lust habe den Kleinigkeiten zu gedenken, die mir ZUDEM den Mittwoch versüßt haben:
*Zur Zeit jagt mir der neue song von Pink "Dear Mr. President" einen Schauer über den Rücken... find ich echt cool das Lied.
* Wenn ich jetzt über den Campus laufe (zwecks Training) tauche ich manchmal in schwer-süße Blumenduftwolken ein. Zuerst stockt mir jedesmal der Atem - wie eine Art Reflex und dann sauge ich diesen unglaublich intensiven Geruch wohlig auf.
* Heute übte ein Chor auf dem Sportplatz. Zuerst war es mir ein bischen unangenehm bei meinen Runden an ihnen vorbei zu kommen - und zu wissen, dass einen 200 Augen auf einmal verfolgen.... aber die Lieder aus hundert Kehlen klangen über die abendliche Stille des Campus wirklich ergreifend.
* mmmhhhh eiskalte O-saft-schorle nach 15km! Göttlich!
* und gleich - auf duftender, steifer (da frisch gewaschener) Bettwäsche liegend, eine DVD (die nur 6 Cent kostete) gucken.
* und das alles bei offenem Fenster, durch das eine laue Frühlingsbrise weht und das Geklimper des Bambus-Windspiel mich an zu Hause denken lässt.
* Die Vorfreude auf morgen nicht vergessen: morgen will ich Jiaozi essen. Hab ich ewig nicht mehr!!!

Sommer ist da: 30 Grad!

Endlich haben auch wir es warm! Das war ja schon zum verzweifeln die Grillberichte aus Dt. zu hören und hier läuft man immer noch vermummt rum! Jetzt hatten wir es 32 Grad am Samstag - un da lässt es sich doch aushalten!!!! Yippieh!
Ansonsten..."im "Osten" nichts Neues"! Wenn ich aus meinen Bücherstapeln rechts und links aufblicke dann nur um mit frischem Bohnenkaffee aus Deutschland auf den Balkon zu tappsen - break! Die MA läuft super gut - hoffe in den nächsten Tagen den aktuellen Stand unter dem link rechst "Magisterarbeit " stellen zu können....Ich rechne in rund 4 Wochen fertig sein zu können. Yeah!
Doch gestern fing für mich die zweite Hälfte des Semesters an: etwas mehr Unterricht als die ersten 8 Wochen...aber find ich ganz cool! Hoffentlich interveniert das nicht mit dem Schreiben an der MA zuuuu sehr!
Nächste Woche geht es ausserdem nach Beijing - vom 17. - 20. Mai. Darauf freu ich mich schon total! Ich will auf jeden Fall tanzen gehen und dann am 19. den Halbmarathon auf der Mauer laufen - für den ich mich übrigens überhaupt nicht fit genug fühle... aber egal! Die schnellste Frau hat letztes Jahr etwas über 2 Stunden (2:09) gebraucht, die langsamste 6!!!!!!! Na, ich hoffe ich schaffe es unter 4 Stunden :-)

Dienstag, Mai 01, 2007

Leberwurst-Feta-Freuden

Am Wochenende kam mich Elke spontan besuchen und meine einsamen Magister-schreibtisch-stunden wurden angenehm unterbrochen!
Samstag mittag holte ich sie vom Bahnhof ab - bei herrlichstem Wetter, und wir machten direkt einen Abstecher in DAS Kaufhaus, wo es auch Butter gibt, um ein leckeres Frühstück auf dem Balkon zu veranstalten. Elke hatte nämlich aus Beijing leckeres Vollkornbrot mitgebracht UND auch das Glas Leberwurst was ich ihr im August anvertraut hatte. Sie hatte den Schatz gehütet und nach Monaten meiner Leberwurst-Senf-Tomatenscheibe-mit-Salz-und-Pfeffer-Vollkornbrot- Abstinenz sollte es bald soweit sein.
Schnell wurde alles für ein tolles, spätes Frühstück aufgebaut: zu Elkes Schatz kam mein Bohnenkaffee aus Deutschland, Käse - den Sandra damals aus England mitgebracht hatte, ein "griechischer Salat" mit dem Feta (auch noch von Sandra) und da musste sogar Elke aus dem "westlich-reichen" Beijing staunen "oooohhhhh FETA!!!"- schade nur, dass das Nutellaglas schon leer war.



Der erste Biss ins Leberwurstbrot war wie .... wie.... super super toll. Lustig wie man sich darüber so freuen kann, oder?
Ansonsten haben wir die ganze Zeit auf dem sonnig-heißen Balkon gequatscht, auf dem Campus und am Meer spazieren gegangen und abends ein leckeres Curry gekocht.
Suuuper nett!
Abgesehen von den leckeren Sachen gab es auch lustige: Ich bekam Berlin-Aufkleber geschenkt, die ich teilweise sofort an meine Tür klebte.


Denn ick bin ein (Wahl-)Berliner, wa?