Montag, Februar 26, 2007

Der Wunschballon - unsere Verabschiedung

In Sanya am Strand - und vielleicht / bestimmt auch an anderen mir unbekannten Orten - kann man rote Ballons zum Himmel steigen lassen.
Rote, eckige aus einer Art Pergamentpapier hergestellt.
Bevor man sie steigen lässt, schreibt man seinen Wunsch drauf, der dann zum Himmel getragen wird.
Wie wir nun abends am Strand entlang spazieren gingen und das schöne Schauspiel der in der Dunkelheit fliegenden, rot leuchtenden Wunschballons beobachteten, wie sie hoch über dem Meer Herzenswünsche, Sehnsüchte transportieren, kam mir eine Idee...

Am Sylvesterabend, nach unserem Picknick, als wir eng umschlungen an einer Palme gelehnt saßen, kam eine Frau zu uns, die die Ballons feil bot.
Wir kauften einen,
denn wir wollten uns auf diesem Wege von unserem Kind verabschieden. Ein Kind welches nie das Licht der Welt erblicken konnte.
Welches aber mehr als drei Monate bei uns war.
Durch das plötzliche Ende, welches in den Händen der Ärzte ein absoluter Routinefall war, uns aber individuell betraf, bestürzte, aus der Bahn warf, waren wir damals überfordert und hatten nie die Möglichkeit gehabt - wie es bei Beerdigungen üblich ist - Abschied zu nehmen.

So war dieser Augenblick, in unseren Augen der perfekte.
Wir schrieben unsere Abschiedsworte, Wünsche auf das rote Papier, zündeten das Gaspacket an, hielten zusammen den Ballon an allen vier Ecken fest, ließen ihn auf dem Boden mit Gas füllen und dann langsam gen Himmel schweben.
Immer höher und höher flog er - so hoch wie unser Ballon hatten wir nie einen fliegen sehen... bis er aussah wie ein Stern. Es war wunderschön und sehr bewegend. Ich glaube eine bessere Art und Weise Abschied zu nehmen konnte es für uns nicht geben.
Adieu!