Sonntag, November 05, 2006

Hans

Samstag bin ich gezwungen worden in einem - in DEM - deutschen Restaurant der Stadt zu essen.
Das einzige was deutsch war, war allerdings Hans!
Hans - das Bier.



Die Arbeitskleidung der Kellnerinnen....ähm, ja... die Kanadierin, die uns mitgeschleppt hatte, ist überzeugt, dass die Tracht deutsch sei...ich, bin mir da nicht sooo sicher.
Das angebotene Buffet war auch in keinster Weise deutsch: alles chinesisches Essen: Salate, Suppen, Gemischtes (Gemüse und Fleisch), Reis und Nudeln und Kuchen.
Leider waren wir zudem auch etwas spät, so dass nicht mehr nachgefüllt wurde. Kalt war es auch. Bier war allerdings im Preis inbegriffen - und man konnte so viel trinken wie man wollte (konnte).
Luise - die 50jährige Kanadierin (lebte und arbeitete als Bibliothekarin schon in der Antarktis (!!), im Oman, in Kuweit, ... und jetzt als Englischlehrerin in QHD) legte es drauf an - was sehr lustig war.
Das besondere an diesem deutschen Restaurant war, dass - wie in "brasilianischen" Restaurants - die Köche mit Fleischspießen umherlaufen und dem Gast eine frische Scheibe der jeweiligen Köstlichkeit auf den Teller säbeln.
Mhhh, da gab es Lammkeule, Roastbeef, Hühnerflügle, Shrimps, Callamari, Hühnerherz (o-gott - als ich es im Mund hatte, hatte ich schon so eine Ahnung, dass ich das lieber nicht essen sollte - es schmeckte irgendwie sehr streng, und als ich dann erfuhr, was es ist - dachte ich nur noch an....: wo ist das Bier zum nachspülen?!!!!!!), Mais, Bacon, Würstchen, Ananas, alles Mögliche vom Schwein... wow, es war echt viel!

(Bei der folgenden Schilderung bitte ich zu beachten, dass ich aus der Perspektive einer Kellnerin, mit 10jähriger Arbeitserfahrung und 3 Jahren ununterbrochenem Sonntags-Brunch-Dienst, berichte:)

Ich beobachtete, dass die chinesischen Gäste (deutsche gab es keine - ausser mir :) ) scheinbar das Buffet zu Anfang gestürmt hatten und alle Leckereien in der Mitte ihres Tisches gestapelt hatten.
Folglich:

(1.) war das Buffet zu 2/3 abgegrast und
(2.) der Laufverkehr dementsprechend minimiert.
(3.) Desweiteren wurde nicht genudelt und volltrunken am Tisch verweilt, sondern ab 14 Uhr waren wir fünf (fast) die einzigen im zweigeschössigen Restaurant.
Das deutsche Verhalten ist da ganz anders: in der Regel wird einige Stunden zwischen Tisch und Buffet hin und her geschlendert, da bei einem Buffet die soziale Komponente, das Zusammenkommen, sich austauschen mit Freunden / Familie mindestens ebenso wichtig zu sein scheint, wie der Sättigungsprozess an sich.
Die Ursache für o. g. kann entweder im chinesischen Essverhalten liegen - zudem ich in Kürze aufgrund vermehrten Wunsches schreiben und mit Fotos illustrieren werde
oder in der Tatsache, dass wir um 1 Uhr dort waren, also zur Halbzeit...
Keine Ahnung! Aber: Der Schokoladenkuchen in der Mitte des Nachbartisches, der soooo lecker aussah, war auf dem Buffet nicht mehr zu finden...



Aber: wie auch in meinen Kellnerjahren, gibt es nach einem stressigen Tag das Personalessen, und: es gibt nichts nervigeres als
diesen letzten Tisch,
diese Gäste, die kein Zuhause haben,
die Gäste, die meinen, nur weil sie "in der Hauptstadt" sind, könnten sie einem den Feierabend versauen....
Und, deshalb verließen wir schleunigst das "Deutsche Restaurant" von Qinhuangdao, dem schnellen und freundlichen Personal einen "Guten Appetit" wünschend!
(Man beachte das Schild an der Wand: "Bräuwastl")