
Genauso heiß wie Qhd war es, als ich Donnerstag abend in Bj ankam - aber ohne frische Meeresbrise. Statt dessen eine stehende Backofenhitze. Herrlich! (Ernst gemeint!)
Der Zug, der mich in die Hauptstadt gebracht hatte, war ungewöhnlich komfortabel gewesen: genügend Platz, angenehm klimatisiert, sauber. Das
absolute Gegenteil von was mich nur 2 Tage später, auf dem Weg nach Hause, erwarten würde!
Bevor ich zu Elkes Wohnung fuhr, aß ich eine Nudelsuppe bei Mr. Lee und trank ein eiskaltes Bier. Das hätte ich mal nicht machen sollen, denn da ich das halbe Bier auf leeren Magen trank, hatte ich natürlich sofort einen Schwipps und riss beim Verlassen des Restaurants, mit meinem Rucksack, meine restliche Nudelsuppe mit einem lauten Scheppern ("Scheppern" - nicht "Klirren" - da Plastikgeschirr), auf den Boden.
Stille - 1 Mio Augen liegen auf mir, 5000 Kellnerinnen mit Lappen und Servietten stürzen auf mich zu... Toll!
Plötzlich wurden alle noch aufgeregter, da sie die lange, frische Schnittwunde auf meinem Schienbein entdeckten (scheiß Einwegrasierer!!!)!!! Gäste streckten mir Servietten entgegen, die "Chefin" kam mit Pflaster - und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken und kam mir vor wie in einem Film ... Ich versuchte zu erklären, dass die Wunde nicht vom ebigen Missgeschick herrührte.... und verließ fluchtartig den Raum.
Freitag fuhr ich mit Bai Aihua durch halb Beijing und besuchte 4 große Buchhandlungen. Natürlich kaufte ich mehr Bücher als ich vor hatte und vergrößerte damit mein Problem: Rücktransport meiner Sachen nach Deutschland bei Gewichtsbeschränkung der Fluggesellschaft. Da muss ich mir noch was einfallen lassen!
Abends gingen wir lecker essen:

Pilzpfanne, Scharfes Rindfleisch, Salat mit Sesamsauce - und ich stellte meiner ehemaligen Kollegin das "ALSTER" vor . Sie mochte es sehr gern!!!
Sie musste sich gegen 19 Uhr schon auf den Heimweg machen, da sie zwar mitten in Bj wohnt, allerdings fährt der letzte Bus in ihre Gegend um halb neun. Insagesamt würde sie 2 Stunden nach Hause brauchen! Oh man - ey....
Ich ging weiter Souveniershoppen für family and friends und genoß die Freitagabendstimmung der Stadt. Ich mag den Geruch hier.

Samstag ging das große shoppen weiter und dann kam der krönende Abschluß:
die Zugfahrt nach Hause! Mir war klar, dass es nicht soooo angenehm werden würde, da ich 2 Tage zuvor nur eine Stehkarte ergattern konnte, doch - es war soooooo scheiße!!
Voll, heiß, stinkig und ganz viel nackte, verschwitzte, fremde Haut berührte mich. Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, ist es ganz klar voll - aber trotzdem wurde sich permanent von einem Ende des Wagons zum anderen geschoben....

Ich hatte das Pech vor einer Vierergruppe von Assitypen zu stehen, die - auch als ich zu verstehen gab, dass ich alles verstand - weiter über meine Haut (Sommersprossen - geht gar nicht in China! Voll hässlich!!) lästerten. Das harmloseste Kommentar, was im Wagon für herzhaftes Gelächter sorgte, war:
"In Deutschland muss ja die Sonne ganz schön stark sein!"
Bei dem Spruch musste auch ich lachen....aber irgendwann, wenn es darum geht, dass die Ausländer alle so fette Ärsche hätten und so, tja , keine Ahnung! Eigentlich find ich meinen Apfelarsch nicht fett - aber, natürlich kann ich nicht mit einem Durchschnitts-Chinesen-Flacharsch mithalten (sorry!) ... Und die Sprüche gingen weiter!
Nach vier Stunden war ich nicht nur körperlich sondern auch seelisch angewidert von den Menschen um mich herum. Wenn ich in Deutschland dabei bin, wenn über einen Ausländer so abgerotzt wird, dann mache ich meinen Mund auf und sage was. Hier passierte dies nicht. Entweder die drum herum Stehenden machten mit: "Ja die Ausländer sind ja so und so - ja und wir Chinesen...", gelacht oder geschwiegen.
Zuerst hab ich selbst versucht die "Ausländer" gut zu repräsentieren, indem ich die vermeintlichen "Tatsachen" relativerte... doch schon bald gab ich es auf, und erklärte, dass ich nicht mehr reden wolle... Der Situation entfliehen konnte ich allerdings auch nicht, da es aufgrund der Fülle unmöglich gewesen wäre, mein Gepäck, welches glücklich unter einer Bank verstaut war und mich anders zu positionieren...
Ich weiß, dass wahrscheinlich, ausser diesen vier schlecht gefickten Typen und 5 Mitläufern, die anderen meine negativen Gefühle nicht verdienten.... aber ich versteh nicht, wie sie ihren Rassismus so unreflektiert ausleben können! Diese Vorurteilsbeladenheit! Dieser Sinozentrismus! Die
Öffnungspolitik sollte nicht nur auf wirtschaftlicher Seite vorangetrieben werden, sondern auch die psychologische Komponente nicht ausser acht lassen!
Ach - und es geht bei diesem Phänomen natürlich nicht darum, dass das etwas den Chinesen vorbehaltenes ist - mir ist schon klar, dass es das leider überall gibt! Und diesmal war halt ich der Trottel! Und: es hat mich gar nicht so arg berührt, dass ICH der Stein war, an dem das Messer gewetzt wurde - ich finde es einfach schlimm, wenn generell Menschen so deratig dummes Zeug reden!
Ohhh - da fällt mir gerade jemand ein, der das auch ganz, ganz besonders gut kann! Ein ehemaliger Arbeitskollege in Berlin....